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Der stationäre Handel muss sich verändern – jetzt!

Über das Innenstadtsterben und mögliche Lösungsansätze

Der gute alte Handel, er erlebt eine Revolution. Und wir sind mittendrin. Als Kund*innen. Und viele von uns als Händler*innen. Vor Corona hat’s begonnen. Nach und nach. Erst ganz leise. 2018/2019 dann schon ziemlich laut. Die Pandemie wird das Sterben der Innenstädte beschleunigen. Aber: Heißt tot wirklich gleich mausetot? Oder zuckt der Patient noch? Und: Steckt in dieser Krise nicht die Chance auf etwas Neues? Welche Rolle unsere Service- und Veränderungskompetenz und der Multichannel-Ansatz dabei spielen, habe ich Dir hier einmal kurz und knapp zusammengefasst. 

Menschenverlassene Fußgängerzonen, leerstehende Läden, (von Friseuren und Dönerläden mal abgesehen), kaum individuelle Fachgeschäfte, die immergleichen Filialen, und Einzelhändler*innen, die schon wesentliche bessere Zeiten erlebt haben. Bevor wir ins Jammern kommen (davon halte ich nicht so viel), machen wir an dieser Stelle erst einmal den Deckel drauf und kürzen ab. Richten wir unseren Blick auf die Ursachen.

Die Ursachen für das Scheitern der kleinen Läden? Zu wenig Wandlungsfähigkeit 

Wir könnten jetzt recht selbstbewusst stöhnen und sagen: Das böse Internet ist schuld an der Krise. Das würde jedoch nicht so ganz stimmen. Es gibt sie ja – die Fachgeschäfte mit einer handvoll Angestellten, 90 Quadratmeter Ladenfläche und ausreichend oder sogar richtig guten Absatzmengen. Was machen die anders? Genau, die haben erkannt, dass sich in ihrer Branche etwas Grundlegendes ändert. Und sie haben sich angepasst. Über diese Wandlungsfähigkeit verfügen allerdings nicht alle Selbstständigen – oder sie können ihre Fähigkeiten nicht abrufen. Aus meiner Beraterinnentätigkeit weiß ich: Wer mit dem Rücken zur Wand steht, hat selten genügend kreative Ressourcen, um einen Wandel zu vollziehen, der in der Krise so nötig wäre. Hier ist externe Beratung Gold wert, weil sie andere Perspektiven aufzeigt. Und um genau die geht es hier. 

Wenn Fachhändler*innen einfach so weitermachen wie bisher, ist ein Scheitern vorauszusehen. 

 

Mögliche Lösungsansätze: andere Perspektiven einnehmen!

Das Zukunftskonzept ist eine Mischung aus stationärem Handel, Multichannel Marketing, E-Commerce, wirklichem Service und Shopping-Experience. Und all das ist nur allzu logisch, wenn wir die Perspektiven unserer Kund*innen einnehmen. Denn klar ist, dass nicht der Onlinehandel das Übel ist – er hat lediglich das Verhalten der Konsument*innen verändert. Auf den Punkt gebracht: Wir wollen alles und das sofort. 

Das kennst Du von Deinem eigenen Verhalten: Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Du sitzt zuhause und stellst einen Bedarf fest: Du benötigst Produkt xy. Du bemühst eine Suchmaschine (in der Regel ist das Google) und informierst Dich über Preise, Qualität und Bewertungen. Du stellst fest, dass Anbieter Z in Deiner Nähe diese oder ähnliche Produkte verkauft. Du gehst auf die Internetseite und schaust Dich um. Nun stehen Dir mehrere Möglichkeiten offen – online bestellen und liefern lassen, oder morgen im Shop abholen, morgen in den Laden gehen und es dort direkt kaufen oder Dich erst beraten lassen. In jedem Fall aber, bist Du mit dem regionalen Fachgeschäft in Berührung gekommen.  

Das kann für den Buchhändler bedeuten, online bestellte Bücher per E-Bike (oder normalem Fahrrad) am nächsten Tag zum Kunden zu fahren. Für das Lederwarengeschäft kann das bedeutet, das gesamte Sortiment online darzustellen, im stationären Shop von jeder dargestellten Tasche nur ein abgespecktes Sortiment vorzuhalten. Ist die gewünschte Tasche in braun nicht vorrätig, kann die Kundin sofort (im Geschäft) online die Tasche bestellen und sie sich morgen liefern lassen. H&M hat dieses Konzept in Deutschland bereits eingeführt. On- und offline Geschäft werden miteinander verknüpft. Und die Konsumenten werden über alle denkbaren Kommunikationskanäle erreicht. Das ist sehr vereinfacht Multichannel-Marketing.

Viele Inhaber*innen von Fachgeschäften weigern sich jedoch auf der Digitalisierungswelle mitzuschwimmen. Sie fürchten beim Online-Preisvergleich nicht mithalten zu können. Einen Bericht über genau dieses Thema findest Du auf Welt.de. Hier heißt es: 
 

„Auffällig ist, dass es ausschließlich kleine Händler sind, die auf digitale Anwendungen verzichten“, so die Forscher. Während rund 90 Prozent der Großbetriebe (ab 500 Beschäftigte) und 76 der mittelgroßen Handelsfirmen eine explizite Digitalisierungsstrategie samt passenden Projekten verfolgen, beteiligen sich unter den kleinen Firmen (mit weniger als 50 Mitarbeitern) gerade einmal 36 Prozent am E-Commerce.”

 

In Sachen Service und Shopping-Experience (also einem positiven Einkaufserlebnis) müssen wir in Deutschland noch eine ganze Menge lernen. IKEA und Co. machen es uns vor: die Kund*innen stehen absolut im Fokus. Du wirst durch den Store geleitet, bekommst Anregungen und damit es an den Kassen möglichst schnell geht, kannst Du Deine Einkäufe selber scannen. (In diesem Artikel hat sich jemand richtig viele Gedanken über IKEAs Shopping-Experience gemacht.)

Zugegeben: Das waren noch lange nicht alle Lösungsansätze für das Innenstadtsterben. Das brand eins Magazin hat sich in seiner November-Ausgabe ausführlichst mit diesem Thema befasst. Kostet 10 Euro, lohnt sich aber wirklich. 

Wenn Du einen neuen strategischen Ansatz für Dein Fachgeschäft suchst und Hilfe bei der Umsetzung benötigst, stehe ich Dir gerne zur Seite. Persönlich und auch im Online Kurs.

Ich wünsche Dir glückliche Festtage und einen entspannten Jahreswechsel.
Wir lesen uns nächstes Jahr wieder. 

Deine Anke 


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Headerbild: Markus Distelrath auf Pixabay
Fließtextbild: StockSnap auf Pixabay

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