Bitte nicht verzetteln!
Wie bekommen wir in unsere Ziele und unseren Alltag endlich wieder Sinn und Struktur?

Beim Zoom Meeting wandert der Blick über den Bildschirm hinweg durch das Zimmer, bis er am Mülleimer hängen bleibt. Muss heute nicht auch die Papiertonne rausgestellt werden? Welcher Wochentag ist eigentlich? Keine Ahnung. Jeder Tag ist irgendwie eine Herausforderung.
Nach dem Meeting wird das Mittagessen gekocht, während die Kinder im Wohnzimmer eine Kissenburg bauen. Noch während dem Kochen schaffst du es das wichtige Telefonat mit dem Steuerberater zu führen, schaust währenddessen konzentriert aus dem Fenster und – siehst die Müllabfuhr vorbeifahren. Mist!
Homeoffice und die Herausforderungen
Herzlich Willkommen! Die anfängliche Freude über die aufkommende Ruhe war riesig. Endlich mal einen Gang runterfahren. Durchatmen. Zeit zu Hause. Zeit mit der Familie. Eigenes Zeitmanagement - ein Traum!
Wegfall von Fahrtzeiten, Ungeahnte Möglichkeiten und Zeit für Liegengebliebene zu erledigen, den Keller auszumisten und anzufangen in dem Buch zu schmökern, das schon so lange auf dem Nachttisch lag.
Aber irgendwie, ganz heimlich, hat sich eine neue Art von Wahnsinn eingeschlichen. Zu Beginn haben wir uns darüber gefreut, dass wir im Meeting ganz unerkannt in Jogginghose sitzen können. Ein Kunde hat mir letztens berichtet, dass er sechs Mal (!) an einem Tag den Arbeitsplatz gewechselt hat: Im Schlafzimmer war es zu hell, im Arbeitszimmer neben dem Kinderzimmer zu laut und im Esszimmer ist der Empfang immer wieder mal weg. Man weiß nicht mehr wohin. Die Aufgaben stapeln sich und ein fester Termin pro Tag ist schon zu viel.
Keine Macht dem Chaos
Die Erschöpfung und Genervtheit kommen jeden Tag schneller. Multitasking in Dauerschleife und doch schaffen wir nicht alles. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke. Es herrscht die völlige Überforderung Homeoffice, Kinderbetreuung, Beziehung, Haushalt und das Home-Office unter einen Hut zu bringen. Wir fühlen uns richtig überflutet. Das Chaos regiert und nichts läuft mehr so, wie wir es gewohnt waren. Wir haben uns hoffnungslos verzettelt.
„Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker. Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen.“ Helmut Schröder
Er ist stellvertretender Geschäftsführer des wissenschaftlichen Instituts der AOK. 38,3 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice gaben bei der WIdO-Befragung
Eine Basis schaffen
Wichtig ist, dass du dir zunächst vor Augen führst, in welchen Bereichen du tätig bist. Welche Rollen hast du im Alltag? Schon Meredith Brooks hat gesungen: "I'm a little bit of everything, all rolled into one, I'm a b****, I'm a lover, I'm a child, I'm a mother” Nun ja… die Rolle als Mutter (oder Vater) und als Sohn bzw. Tochter können wir vermutlich beruhigt auf unserer Liste mit aufnehmen. Die Zeit mit deinem Partner oder deiner Partnerin ist dir auch wichtig. Dazu kommt die Funktion als Angestellte, Führungskraft oder Selbstständige. Im Verein möchtest du auch deinen Beitrag leisten und im beruflichen Verband möchtest du endlich als kompetent und erfahren angesehen werden und nicht mehr nur als „die Neue“.
Wohin willst du eigentlich?
Der erste Schritt? Mache dir deine Stärken und deine Ziele bewusst. WOW! Toll, was du bisher geschafft hast! Aber worin bist du wirklich gut? Was bereitet dir Freude? Was ist dein Ziel und wo möchtest du noch mehr erreichen? Und was hält dich davon ab?
Häufig fehlt uns der Mut in den Bereichen sichtbar zu werden, die uns eigentlich wichtig sind. Wir stellen die kritischen Fragen nicht, denn Harmonie ist uns wichtig. Wir stellen uns lieber in den Hintergrund und ärgern uns darüber, dass wir passiv im Netzwerken geblieben sind. Oder sind gefrustet, dass der eigene gute Vorschlag wieder „überhört“ wurde und der lauter sprechende Kollege dafür gelobt wurde, dass er deine Idee einfach nur wiederholt hat. Über dieses Phänomen kannst du auch im Artikel der Welt lesen.
Artikel in der Welt: Wenn Frauen im Job sprechen, hört ihnen keiner zu

Hier gelangst du zum Artikel der Welt: Wenn Frauen im Job sprechen, hört ihnen keiner zu
Ins Handeln kommen und sichtbar werden
Wenn ich eines aus meiner Erfahrung als Unternehmensberaterin ganz klar sagen kann, dann ist es das: Das Bild, das andere von dir haben, liegt in Deiner Verantwortung. Als qualifizierte und erfolgreiche Frau darfst du Autorität zeigen. Wenn du deine Ziele erreichen möchtest, dann solltest du sie sogar zeigen, denn sonst wirst du einfach übersehen.
Wie du bei anderen ankommst, entscheidet darüber, ob du den nächsten Auftrag bekommst, bei der nächsten Beförderung an dich gedacht wird, ob deiner Idee Beachtung geschenkt wird und ob die Kund:in dich als Expertin auf deinem Gebiet wahrnimmt. Außerdem heißt es gerade in der Akquise "am Ball zu bleiben" und nachzuhaken, ob das Angebot angekommen ist und wann begonnen werden soll. Du denkst: Ich bin froh, dass ich das Angebot abgesendet habe und jetzt soll ich "nachhaken"?!? Kommen wir zum nächsten Step:
Was habe ich für ein Bild von mir und meiner Tätigkeit? Hier ein paar Gedanken dazu: Starte mit dem Tool "Selbstwahrnehmung", notiere deine Gedanken und Gefühle zu diesem Thema. Setze dir hierzu ein Zeitfenster (Vorschlag: 30 Min.).
Danach folgt das Thema "Fremdwahrnehmung". Zeitfenster setzen und überlegen: Was hast du für Rückmeldungen und von wem hast du diese erhalten?
Dies ist ein sehr spannendes Thema, was dich oder eine deiner Mitarbeitenden vielleicht immer wieder zum Verzetteln bringt, obwohl das Ziel in greifbarer Nähe weilt....
Falls Fragen, lass es mich gerne wissen. Ich freue mich sehr darauf, mit dir zusammenzuarbeiten und dich und dein Unternehmen zu mehr Sichtbarkeit zu bringen.
Herzliche Grüße
Anke
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Headerbild: J. Howard Miller auf Wikimedia Commons