Sprung in die Selbstständigkeit

Gruppenbild vom Gründungscoaching: Min von Cramer (1. von links, stehend) und Anke Tielker (6. von links) mit Teilnehmern.

Weser Kurier vom 14.07.07

ACHIMER KURIER stellt in neuer Serie Existenzgründer aus dem Landkreis vor

LANDKREIS. (Von unserem Mitarbeiter Lars Köppler) Jede Medaille hat zwei Seiten. Gleiches gilt für die Selbstständigkeit. Einerseits hat man als Unternehmer deutlich mehr Entscheidungsspielräume und Freiheiten, andererseits geht das meist mit höherer Belastung und größeren Risiken im Vergleich zum Angestellten einher. In unserer Serie „Existenzgründer im Landkreis“ stellen wir Menschen vor, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Mit einem spontanen Geistesblitz oder einer von langer Hand ausgeklügelten Geschäftsidee fängt der Weg in die Selbstständigkeit meistens an. Es folgen oft – auch von außen geschürte – Selbstzweifel. Die Angst vor dem Ungewissen, das Aufgeben der so genannten Sicherheit bereiten Kopfschmerzen. Wer seinen Traum dennoch zur Realität werden lässt, hat die unterschiedlichsten Motive für diese Entscheidung, die das ganze Leben verändern kann und soll.

Frust mit dem gewohnten Arbeitsalltag ist einer von vielen Gründen, warum Angestellte von heute plötzlich zu Existenzgründern vonmorgen werden. Unzufriedenheit mit der eigenen Situation ist ein Ventil, aber auch Veränderungen im familiären Umfeld oder einfach der Wunsch, endlich als eigener Chef zu fungieren, spielen bei den meisten Jungunternehmern eine Rolle bei diesem Schritt zur Selbstverwirklichung.Der Weg ist steinig, auch wenn er durch die aufkeimende Euphorie zunächst rosig erscheint. Wichtige Mosaiksteine vom Start mit einem überzeugenden Businessplan über eine detaillierte und ungeschönte Aufstellung der Kosten und Finanzierung bis hin zur nicht zu unterschätzenden Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit sowie womöglich auch die Personalführung; all das muss im Vorfeld geklärt sein, um nicht vorzeitig Schiffbruch zu erleiden.

Anke Tielker muss es wissen. Die Unternehmensberaterin aus Sieverdingen hatte in Berlin einen sicheren Job bei einem Pharma-Konzern, war im Projektmanagement direkt der Geschäftsführung unterstellt. „Ich war zuständig für neue Produkte und hatte die Aufgabe, die verschiedenen Abteilungsleiter von der Projektarbeit und dem Einhalten der Terminpläne zu überzeugen“, erinnert sie sich an ständige und nervenaufreibende Spagate und fügt hinzu: „Das war schwierig, da ich in meiner Funktion nicht weisungsbefugt war.“

Oft musste Anke Tielker Fingerspitzengefühl und Motivationsenergie aufbringen. Diese Fähigkeiten hat sie sich nach 14 Jahren in der Bundeshauptstadt zunutze gemacht, um in Eigenregie beratend tätig zu werden. Heute hilft Anke Tielker Firmen und Jungunternehmern auf die Beine, die sich nach Konflikten mit ihren Arbeitgebern, aus der Arbeitslosigkeit heraus, nach gescheiterten Ehen oder aus anderen Gründen beruflich neu orientieren wollen oder müssen.

„Als allein erziehende Mutter ist es schwer, eine geeignete Stelle zu finden“, sagt etwa Andrea Springborn aus Fischerhude, die heute die Fach-Galerie im Künstlerdorf betreibt.In den nächsten Wochen befasst sich der ACHIMERKURIER in dieser Serie über Existenzgründer aus dem Landkreis Verden mit den elementaren Fragen zu diesem Thema. Die Redaktion stellt Menschen vor, die sich bereits für den Weg in die berufliche Unabhängigkeit entschieden und einiges darüber zu berichten haben.