Jetzt als "Madame Orange"

Kreiszeitung, 23.Juli 2014

Wer Süßes mag, ist bei Heike Kahnt richtig. Für Startklar hatte sie sich eine besondere Motivtorte ausgedacht (v.l.): Anke Tielker (Startklar), Heike Kahnt, Min von Cramer, hinten Claus von Cramer und rechts Dr. Thomas Mill (beide Startklar). • Foto: Niemann

VERDEN - Heike Kahnt hat es (fast) geschafft. Zu Jahresbeginn hat sich die Gewinnerin der ersten Staffel der Sat1-Doku „Das große Backen“ in ihrem Wohnhaus in Scheeßel im Nebenerwerb unter dem Label „Madame Orange“ selbstständig gemacht. Manch einer mag darunter Anrüchiges vermuten. Doch mitnichten.

Die gelernte Köchin, die zurzeit noch hauptberuflich als arbeitspädagogische Anleiterin in einer Rotenburger Jugendwerkstatt beschäftigt ist, hat sich auf außergewöhnliche Tortenkreationen und auf so genannte Cupcakes spezialisiert, die sie im eigenen Atelier anfertigt und mit denen sie nicht nur die strenge Jury verzaubert hat.Außerdem gibt Kahnt Backkurse für interessierte Hobbybäcker. „Vor zehn Jahren hat mich nach einem Messebesuch die Leidenschaft gepackt“, berichtet sie. Und während sie früher nur für ihre Familie gebacken hat, kann inzwischen jeder genießen. Ab Sommer 2015 will die Zuckerbäckerin sogar im Vollerwerb im Backatelier stehen, wie sie dem Kreis ehemaliger und aktueller Existenzgründer berichtete.e die Geschäftsleitung der Startklar GbR hatte am Montagabend zu einem Erfahrungsaustausch in die Räumlichkeiten in der Max-Planck-Straße eingeladen.

Kahnt ist für das Startklar-Team ein gutes Beispiel, dass der Schritt in die Selbstständigkeit entsprechend vorbereitet und überlegt werden muss. „In den vergangenen sechseinhalb Jahren haben wir rund 400 Frauen und Männer in ihrer Gründungsphase begleitet“, verdeutlichte Geschäftsführerin Min von Cramer, die gemeinsam mit einem kompetenten Team Gründer und Unternehmer qualifiziert und berät. Ideen für Existenzgründungen gäbe es dabei zuhauf.

„Das reicht von A wie Autogenes Training bis Z wie Zweiradmechaniker“, so von Cramer. Entgegen dem Bundestrend sei eine Gründerbegleitung durch Startklar bei Frauen und Männern gleichermaßen nachgefragt. „Bundesweit gibt es mehr Männer, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Das Verhältnis bewegt sich bei 60:40“, berichtet die Projektleiterin und dass ein späterer Vollerwerb der Gründungswilligen Ziel der Begleitung durch Startklar sei. „Hier ist die Eigenmotivation der Klienten natürlich enorm wichtig. Startklar kann begleiten, beraten und unterstützen, der eigentliche Schub muss aber von den Gründern kommen.“ Die Frage, ob es Menschen gibt, denen das Startklar-Team vom Schritt in die Selbständigkeit abrät, beantwortet sie mit einem deutlichen Ja.

Das könnten finanzielle Gründe, aber auch unrealistische Vorstellungen hinsichtlich Branche und Verdienst sowie die Unfähigkeit eines Klienten, sich selbst zu organisieren und fortwährend zu motivieren. Das Thema Fremdkapital sei indes nur selten Gründungshemmer. „Einen Kredit zu bekommen, war für Gründer noch nie einfach, aber die meisten unserer Klienten gründen ohne Fremdkapital. „Wer größere Anschaffungen wie Maschinen tätigen muss, muss sich natürlich Geld leihen. Aber das geht eigentlich nicht über die Summe von 100000 Euro hinaus.“ Für Computer und Büroausstattung würden in der Regel selten mehr als 5000 Euro benötigt. • nie