„Meine Mitarbeiter denken nicht mit“

Ein Plädoyer für mehr eigenverantwortliches Arbeiten

„Alles muss man selber machen!“ – kennen Sie diesen Satz? Der wird gerne von Selbstständigen in die Welt gepoltert. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich in dieser Aussage? Wird sie nicht manchmal auch benutzt, um sich nicht in die Karten schauen zu lassen? Viele Führungskräfte und Selbstständige wünschen sich von ihren Mitarbeiter*innen mehr eigenverantwortliches Arbeiten. Warum das nicht jedermanns Wunsch ist, was Sie als Arbeitgeber/in oder Führungskraft dafür tun können – Stichwort „neue Arbeitswelt“ – und wie Sie sich als Mitarbeiter*in mit gestutzten Flügeln wieder mehr Freiraum verschaffen – ein Plädoyer für mehr eigenverantwortliches Arbeiten!

Warum eigentlich mehr eigenverantwortliches Arbeiten?

„Meine Mitarbeiter*innen machen nur Dienst nach Vorschrift, die denken keinen Zentimeter über ihren Arbeitsbereich hinaus“, eine Aussage, die ich als Unternehmensberaterin schon oft gehört habe. Der Wunsch nach mehr Eigenverantwortung und betriebswirtschaftlicher Denke ist in vielen Unternehmen vorhanden. Und dann höre ich in Seminaren das Bedürfnis nach Autonomie und Entscheidungskraft von Mitarbeiter*innen. Warum ist es denn das Miteinander so schwierig, wenn beide Seiten das Gleiche wollen?

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Chef diktierte und die Belegschaft machte. Was lange Zeit funktioniert hat, ist mitten in einem gravierenden Wandel. Die neue Arbeitswelt oder Arbeitswelt 4.0 erfordert ein Umdenken – gerade auf der Führungsseite. Prozesse werden beschleunigt, einige Arbeitsbereiche werden wegfallen, Soft Skills, wie Team- und Kommunikationsfähigkeit, bekommen einen noch höheren Stellenwert. Nun mögen Sie sich denken „Globalisierung, Digitalisierung – in meinem (kleinen) Betrieb merken wir davon nichts.“ Das mag zum heutigen Zeitpunkt auch so sein. Allerdings ist diese Revolution keine, die nur Mittelständler oder Konzerne betrifft. Das hat zwei Gründe: 

1. Sie wollen auch zukünftig mit Ihrem (kleinen) Betrieb mindestens wettbewerbsfähig sein (wenn nicht sogar besser). 

2. Als Selbstständige/r oder Unternehmer/in brauchen Sie Zeit um mehr „am“ als „im“ eigenen Unternehmen zu arbeiten. Dafür benötigen Sie motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Andernfalls stimmt der Satz „Alles muss ich selber machen“ auf viel mehr Ebenen, als anfangs noch gedacht. Um zukünftig als attraktiver Arbeitgeber*in zu gelten, gilt es sich was einfallen zu lassen.

 

Also auch, wenn Sie die neue Arbeitswelt noch nicht direkt anspringt – Sie stehen in Konkurrenz mit anderen Arbeitgebern um gute Mitarbeiter*in. 

 

 

Eine Arbeitswelt voller Häuptlinge?

Als Unternehmer*in, Selbstständige/r oder Führungskraft haben Sie alles im Blick: ZDF – Zahlen, Daten, Fakten oder auch Ziele, Zahlen, Termine, Kunden und Mitarbeiter. Warum sind Sie in dieser Rolle? Weil Sie die Persönlichkeit dazu mitbringen? Weil Sie immer davon geträumt haben, einen eigenen Betrieb zu führen? Weil Sie mehr Geld verdienen wollten? Weil Sie eigene Entscheidungen treffen wollten? Wie die Antworten auch sind – es sind Ihre ganz persönlichen.

Es gibt typische Eigenschaften, die uns als  Arbeitnehmer oder als Arbeitgeber auszeichnen. Darüber hinaus verfügt jeder über individuelle Stärken und jedes Team besteht aus unterschiedlichen Rollen. Anders gesagt: Es kann nicht nur Häuptlinge geben. Manche Menschen sind einfach nicht dafür gemacht Selbstständig zu sein. Das ist gut so! Denn wir brauchen (auch) fleißige, zuverlässige Mitarbeiter/innen, die nicht ihre eigene Vision der Firma leben. Solche, die am besten, genauesten und am schnellsten sind, wenn sie nach Anweisung arbeiten. Ein Team aus lauter kleinen Ich-AGs kann funktionieren. Allerdings nur, wenn wesentliche Komponenten gegeben sind: Transparenz, Kommunikation und Vertrauen. 


 

 

Time to move: So fördern Sie eigenverantwortliches Arbeiten Ihrer Mitarbeiter

„Mach das Projekt zu deinem!“ Als Führungskraft und Selbstständige/r tun Sie gut daran, eine ausgewogene Balance zwischen Sicherheit und Autonomie herzustellen. Das ist für viele eine Herausforderung, weil Sie Kontrolle abgeben und mehr Vertrauen aufbauen können.
Mein Vorschlag: Starten Sie mit einem Projekt, das Ihr(e) Mitarbeiter*innen selbstständig erarbeiten. 

 

  • Erste Priorität: Holen Sie Ihre Mitarbeiter*in von Anfang an in den Prozess. Um den Stein ins Rollen zu bringen, können Sie den Rahmen vorgeben: „Wir wollen bis zum Jahresende unser Sortiment erweitern – was meinst du, passt zu uns?“ Das ist konkreter als ist bloße Frage, ob er oder sie Ideen oder Verbesserungsvorschläge hat. 

 

„Wir wollen etwas Neues starten und ich möchte, 
dass du ein Teil davon bist“. 

 

  • Vielleicht haben Ihre Mitarbeiter*innen Ideen in der Schublade, von denen Sie nichts wissen. Kommunikation ist der Schlüssel für eigenverantwortliches Arbeiten. 

  • Im nächsten Schritt können Sie die Verantwortung bestimmter Teilbereiche des Projekts an Ihre Mitarbeiter übergeben – zum Beispiel das Recherchieren von Lieferanten, Preisen, Lieferzeiten etc. So kommen Sie immer mehr dahin, dass Ihre Mitarbeiter eine höhere Identifikation mit Ihrem Betrieb fühlen. 

Ob Sie den direkten Weg zum eigenverantwortlichen Arbeiten wählen oder schrittweise vorgehen, hängt nicht zuletzt auch mit Ihrem Investitionswillen ab. 

 

Veränderungen kosten Zeit und Geld. Der Cut vom klassischen Führungsstil zur sich selbstverwaltenden Organisation kann unheimlich motivierend und frustrierend zugleich sein. 

 

In meiner Tätigkeit als Trainerin und Unternehmensberaterin begleite ich seit vielen Jahren Selbstständige und Unternehmer/innen. Eine Übersicht meiner Seminare finden Sie hier.

 

Mein Tipp: Beispiele und best practices hat die ARD Dokumentation „Wie wollen wir leben – weniger arbeiten“ zusammengestellt. Dieser Film regt zur Diskussion und zur Reflektion an. Hier geht es zum Beitrag:  https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExMzgyNTY/wie-wollen-wir-leben-weniger-arbeiten

 

 

Es klappt einfach nicht… Eine verwegene Vermutung meinerseits: Vielleicht liegt es auch an Ihnen, wenn Ihre Mitarbeitenden Dienst nach Vorschrift machen?

Anke Tielker, Unternehmensberaterin

 

Diese Frage lohnt sich für ein Selbstgespräch: Woran liegt es eigentlich, dass meine Mitarbeiter keine eigenen Ideen entwickeln und nicht über den Tellerrand denken? Die Gründe sind oftmals vielfältig. Wie schon gesagt: Nicht jeder ist für eigenverantwortliches Arbeiten gemacht. Darüber hinaus gibt es in fast jedem Menschen Potenziale, die manchmal erst wachgeküsst werden müssen oder die eigentlich da sind, derzeit aber eine längere Verschnaufpause einlegen. Vielleicht hat Ihr*e Mitarbeiter*in sehr wohl die Fähigkeit mehr aus ihrem/seinem Job zu machen. Es kann auch sein, dass Sie Ihren Mitarbeitern unbewusst gar nicht zutrauen, eigenständig zu arbeiten. Oder dass Sie Ihre Mitarbeiter schonen wollen. „Meine Sorgen als Unternehmer/in teile ich mit meinen Angestellten nicht“. Diese Denke schafft Barrieren. Nicht selten ist es auch der Fall, dass Unternehmen glauben, Sie hätten alle Wichtige mitgeteilt, wie dieses Beispiel zeigt: 

 

Ein Unternehmer sagte während der Unternehmensberatung zu mir: „Ich lasse meinen Mitarbeitern große Freiheiten – in der Arbeitszeitgestaltung, in der Art wie sie ihre Arbeit machen…  solange das Ergebnis gut ist. Das ist es aber nicht immer. Weil sie wesentliche Aspekte nicht bedenken.“ 

Daraufhin der Mitarbeiter: „Wenn wir von allen Aspekten wüssten, würden wir sie berücksichtigen. Manchmal kommt es mir vor, als würden wir alle in einem Boot sitzen – die Stimmung ist gut, wir haben alle Lust und jeder weiß, was zu tun ist. Aber die große Richtung, die kennt nur er. Er hat als einziger die Landkarte und kennt den Weg. Hätten wir früher gewusst, dass es nach Süden geht, hätten wir andere Klamotten im Gepäck.“ 

Auch hier ist die Kommunikation entscheidend. Und die Frage: was gebe ich preis und was denke ich nur, preisgegeben zu haben? Ein Hinweis hierauf ist, wenn Sie auf Rückfragen Ihrer Mitarbeiter regelmäßig mit einer Gegenfrage antworten: „Hatte ich das nicht gesagt?“

 

Ein weiterer Knackpunkt ist oft eine mangelnde Fehlerkultur. Typische Sätze von Arbeitnehmern: „Erst heißt es ‘entscheide selbst‘ und danach kriegt man dafür einen Rüffel!” Fehler müssen erlaubt sein. Dafür braucht es einen offenen und vertrauensvollen Umgang. Sonst ist die Motivation schneller dahin als man A sagen kann. In meinen Kommunikationsseminaren gebe ich weitere Tipps zu diesem Thema. 

 

 

Fazit

Eigenverantwortliches Arbeiten ist kein Selbstläufer. Richtig umgesetzt, profitieren Sie als Unternehmer/in und Führungskraft von neuen Freiräumen und Ihre Mitarbeiter/innen werden motivierten durch den Arbeitsalltag gehen. Richtig Freude macht auch dieses tolle Beispiel eines Ferienanbieters, der Upstalsboom-Weg. Mit einem guten Kommunikationsmanagement, Fingerspitzengefühl und einer feinen Beobachtungsgabe, werden Sie zukünftig genauer erkennen, was Ihre Mitarbeiter/innen wollen und können und welche Schritte Sie dafür gehen müssen. 

 

Ich begleite Sie gerne auf diesem Weg! Weitere Seminare finden Sie hier.

 

Also, auf zu neuen Taten! 

Ihre Anke Tielker


 

 


04.08.2019 | Kategorie: Kommunikation |

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